Samstag, 5. Januar 2013

Tag 19 & 20

Tag 19 - Ausflug zu den Backwaters 1

Gen Süden

Um halb 8 am Morgen ging es heute los. Wir frühstückten wieder einmal richtig europäisch. Es gab Toast und Omeletten. Um 9 Uhr sollte eigentlich unser Taxifahrer kommen, doch aus irgend einem Grund war dieser nicht einsatzbereit und wir bekamen einen Ersatzfahrer, der erst um halb 10 kam. Dann ging es los in Richtung Süden. Inder Hafenstadt gingen wir ins - nicht besonders offiziell erscheinende - Tourismusbüro um zu bezahlen. Der Taxifahrer fuhr uns darauf zum Hafen wo wir ein Hausboot bezogen. Wir kamen zu unserem Führer, dessen Englisch nicht besonders gut und dessen Handgelenk eingebunden war. Seine Hand war geschwollen. Später erklärte er uns - falls ich es richtig verstanden habe - dass er sie zwischen zwei Booten die aneinandergestossen sind, gequetscht hatte. Als Willkommensdrink bekamen wir Kokosnüsse mit Röhrchen, der Saft schmeckte sehr gut und erfrischend.

Unser Boot!

Wir wassern...

Zu Beginn erschien uns das Boot eigentlich recht angenehm und gemütlich. Es hatte zwei Schlafzimmer ein Ess-Deck und einen ersten Stock mit Sesseln. Das Boot gehörte ganz uns. Wir machten es uns im ersten Stock bequem, während sich das Boot in Bewegung setzte. Zwischen vielen anderen, ähnlichen Booten ging es los.

Diese Schiffsausflüge sind eine typische Touristenattraktion, deshalb die vielen Schiffe.
Wir fuhren durch das ziemlich dreckige Wasser an palmenbesäumten Ufern vorbei und sahen dort Einheimische ihren Tätigkeiten nachgehen.
Es hatte viele kleine Inselchen, manche hatten eine Breite von wenigen Metern, waren aber sehr lang. Darauf standen dann die Häusschen.

Eine Mini-Insel.

Eine besonders schmale Insel.

Die Reisfelder grenzten direkt ans Wasser.

Missverständnisse

Gegen Mittag legten wir neben anderen Booten an und wurden aufgefordert auszusteigen. Unser Führer zeigte uns eine Kühltruhe voller Riesencrevetten und daneben eine Truhe mit noch lebenden Krebsen, deren Scheren an den Körper gebunden waren. Wir dachten das wäre unser Mittagessen und dass wir es bezahlen sollten, obwohl wir eigentlich "All Inclusive" gebucht hatten, also fragten wir. Unser Guide versuchte erst gar nicht uns zu erklären was hier vor sich ging, da sein Englisch dazu nicht ausreichte. Der Verkäufer neben den Kühltruhen hatte ein einigermassen verständliches Englisch und erklärte das diese nicht inbegriffen seien, aber wir trotzdem ein Mittagessen bekämen. Es folgten einige Telefonate mit Yoshi, der uns das ganze organisiert hatte. Das Missverständnis klärte sich endlich und wir bekamen unser Mittagessen.

Fisch auf dem Schiff

Es gab Fisch, Reis, Ladys Fingers und eine Sauce. Es schmeckte eigentlich recht gut, wenn es auch recht scharf war. Unser Führer betonte jedoch mehrmals es sei "not spicy". Für indische Verhältnisse war es das wohl auch nicht, aber auf unsere ungewohnten schweizer Zungen brannte es doch noch recht. Bald setzte sich das Boot wieder in Bewegung. Die Landschaft zog weiter an uns vorbei und wir sahen weite Reisfelder.

Tea Time und Sonnenuntergang

Wir liessen uns Früchte aufschneiden, aber diese waren leider nicht besonders gut, da sie entweder vergammelt oder unreif waren.
Um 4 gab es dann Chai und frittierte Zwiebelküchlein, beides schmeckte ausgezeichnet. Kurz darauf legten wir wieder an und uns wurde mitgeteilt, dass bald ein kleineres Boot kommen würde um uns abzuholen. Wir stiegen vom grossen Boot aus und sahen uns die Umgebung an. Gleich neben dem Anlegeplatz war eine Müllhaufen und zwei Inder fischten mit einfachstem Equipment bei unserem Boot.
Endlich kam das kleinere Boot und wir bestiegen es. Es schaukelte ziemlich heftig. Der Fahrer tuckerte um eine kleine Insel und wir konnten uns den tiefroten Sonnenuntergang ansehen.


Diesen Sonnenuntergang sahen wir vom Wasser aus.

Zugvögelformationen.

Insekten und Arachnoide nicht zu knapp

Danach wurde es ziemlich schnell kühler und dunkler und wir kehrten zurück zum Hauptboot. Ich ging in mein spärlich beleuchtets Zimmer und sah plötzlich etwas auf dem Boden herumhuschen. Bei genauerer Betrachtung stellte es sich als Kakerlak heraus, und es war nicht die Einzige. Die braunen, daumengrossen Insekten huschten immer wieder über den Boden oder die Wände. Kurz darauf gesellte sich noch eine Spinne dazu. Es war ein nicht kleines Modell, wie wir es schon vorher gesehen hatten. Zum Abendessen gab es Poulet, Chapatis und Reis und immer wieder musste ich an die Kakerlaken denken, was den Appetit nicht wirklich steigerte. Trotzdem war das Essen akzeptabel.
Als wir bereits fertig waren, kam unser bestelltes Bier an. Der Bootsfahrer hatte es für uns in einer lokalen Bar geholt. Wir tranken das warme Gebräu fertig und begaben uns in unsere Zimmer.
Als es im Boot langsam ruhiger wurde gesellten sich zu den kleinen Krabbeltieren noch Geräusche im Gebälk des Bootes. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um Ratten oder dergleichen.
Im Zimmer war es sehr heiss. Die Klimaanlage war auf 17°C eingestellt und konnte wegen fehlender Fernbedienung nicht geändert werden. Deshalb liessen wir sie nur bis zum vorm Einschlafen laufen, da 17°C schlichtwegs zu kühl gewesen wären. Das, und meine Horrorvisionen von kleinen Krabbeltieren liessen leider keinen besonders ruhigen Schlaf zu.
Achtung Bilder...
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Tiere mit Ipod als Grössenvergleich.



Tag 20 - Ausflug zu den Backwaters 2

Ausgecheckt und ab zu Subha

Morgens wurde ich um halb 6 von den Indern geweckt, die auf dem Boot herumliefen und laut miteinander sprachen. Um etwa 7 Uhr standen wir dann alle auf und gingen an den Esstisch. Es gab ein klassisches Kerala-Frühstück: Appam mit Kichererbsensauce.
Noch während wir am Essen waren legte das Boot ab, drehte eine Kurve um eine Insel und nahm Kurs in Richtung Hafen an.
Wir verabschiedeten uns, gingen ans Ufer zum Taxi und gaben dem Fahrer die Anweisung nach Cochin zu fahren, wo wir zu Subha, unserer Nachbarin in Cherai Beach, essen gehen würden.
Der Fahrer suchte zwar ein wenig herum, fand es aber schliesslich doch. Er blieb vorerst unten im Auto, während wir mit dem Lift in den achten und obersten Stock zu Subha fuhren.
Sie begrüsste uns herzlich und machte uns Zitronenwasser. Es schmeckte ausgezeichnet. Während sie sich in der Küche zu schaffen machte, sahen wir uns von ihrem Balkon aus die Stadt an. Es war sehr dunstig, dennoch sah man einiges.



Dunstige Aussicht.

Das Essen

In erstaunlich kurzer Zeit hatte Subha ein vielfältiges Menü hingezaubert: Es gab: Poulet, Reis, eine Art Gurke, Rindfleisch, Bohnen mit Kürbis und eine Joghurt-Früchtesauce. Jedes einzelne dieser Gerichte schmeckte ausgezeichnet. So gut hatte ich bis jetzt noch nie indisch gegessen!
Der Taxifahrer ass auch mit. Er war aber unfreundlich und unanständig zu Subha. Er machte noch Probleme, da er einen anderen Kunden hatte, aber Subha erklärte ihm auf Indisch, dass das sein Problem sei und wir erst bezahlen würden, wenn wir auch am Ziel sind.
Wir plauderten noch ein wenig und Subha bot uns an, einmal in Cochin mit uns Einkaufen zu gehen und uns die Stadt zu zeigen.
Unsere Mutter lud Subha ein auch einmal bei uns in Basel auf Besuch zu kommen und zu essen. Im April würde sie in der Schweiz Bekannte und Verwandte besuchen kommen, auch in Basel.
Wichtige Besorgungen
Wir erklärten unserem Fahrer das wir noch gerne Bier kaufen würden. Er fuhr uns zu einer offiziellen Abgabestelle. In Indien ist der Alkoholverkauf stattlich kontrolliert und es darf nur eine gewisse Menge pro Person gekauft werden. Für das Bier galt das aber nicht und wir konnten ohne Probleme einkaufen.

Viel Hochprozentiges...

Kaunede Inder

Wir wurden zurück nach Hause gefahren. Vor unserem Haus sahen wir die Ziege des Watchman, wie sie sich in eine unangenehme Lage gebracht hatte. Sie hatte ihr Leine um eine Pflanze gewickelt und strangulierte sich daran. Ich sah es und befreite das Tier, während ich von gelben Ameisen gebissen wurde die an der Pflanze entlang krabbelten. Dann gingen ans Meer. Wir badeten eine Weile und bauten sandburgenähnliche Objekte. Während wir im Meer waren, kamen zwei Inder vorbei, die unsere Sandskulptur sahen und uns freundlich zunickten. Ich nickte zurück und badete weiter. Sie bauten auch etwas auf den Strand und es packte uns die Neugier und wir gingen kucken, was sie das taten. Sie waren daran ein Gesicht im Sand zu formen. Wir kamen ins Gespräch und ich unterstützte sie beim Bau ihres Gesichtes. Nach einer Weile hatte ich keine Lust mehr, denn ich konnte das Englisch beim besten Willen nicht verstehen. Also verabschiedete ich mich und wir gingen zurück zum Haus. Meine Mutter merkte an, dass der Eine von ihnen wohl Betelnüsse gekaut hatte. Von Anfang an war mir aufgefallen, das er einen sehr roten Mund hatte und dauernd rot in den Sand spuckte. Dieses Rot kommt vom Kauen dieser Nüsse. Sie haben eine berauschende Wirkung und gelten als Droge. Ihre Wirkung soll der von Alkohol ähnlich sein.

Abendessen

Zuhause trafen wir Gabi und Beat und wir berichteten von unseren Boot-Erlebnissen. Sie sagten sie würden mit Yoshi und dem Besitzer des Bootes sprechen und ihm klarmachen, das dass Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht gestummen hat.
Dann gab es Abendessen: Reis, Crevettensauce, Salat, Auberginen und Früchte. Es schmeckte zwar gut, kommt aber nicht an Subhas Küche heran.
Wir waren alle froh, wieder unsere gewohnten Betten zu haben, ganz ohne Getier.

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